Kinder und Jugendliche auf Wiese

PSG

Prävention (sexualisierter) Gewalt in Einrichtungen und Diensten der katholischen Erziehungshilfe

Auftraggeber

Das Projekt wurde mit Mitteln der Stiftung Glücksspirale gefördert.

Projektträger

Träger des Projekts war der Bundesverband katholischer Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfen e. V. (BvkE).

Die operative Durchführung des Projekts lag beim Institut für Kinder- und Jugendhilfe (IKJ).

Laufzeit

Die Laufzeit des Projekts betrug 3 Jahre (1.7.2011 – 30.6.2014).

Beteiligte

An dem Projekt nahmen 11 Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen teil.

Projektauftrag

Das Projekt verfolgte vorrangig die folgenden Ziele:

  1. Entwicklung einer Checkliste mit Standards zur Prävention von (sexuellem) Missbrauch und Gewalt in Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen,
  2. Untersuchung von Präventionsstrategien in Vergangenheit und Gegenwart sowie von aktuellen Entwicklungen für die Zukunft,
  3. Entwicklung von Empfehlungen für adäquate Präventionsstrategien,
  4. wissenschaftlich begleitete Implementierung und Evaluation dieser Empfehlungen in einer ausgewählten Zahl von Jugendhilfeeinrichtungen.

Projektumsetzung

Im Rahmen der dreijährigen Projektlaufzeit wurde nach eingehender Literaturanalyse und auf Basis einer daraus resultierenden vorläufigen Checkliste möglicher Präventionsstandards in 11 Projekteinrichtungen die (Weiter-)Entwicklung eines einrichtungsbezogen zugeschnittenen Präventionskonzepts wissenschaftlich begleitet. Die individuellen Entwicklungen innerhalb dieser Einrichtungen wurden dabei in Form einer Prä-Post-Untersuchung evaluiert und schriftlich dokumentiert. Aus den Erfahrungen der unterschiedlich verlaufenen Entwicklungsprozesse heraus wurde die vorläufig erstellt Präventions-Checkliste im Hinblick auf Sinnhaftigkeit und praktische Realisierbarkeit der einzelnen darin enthaltenen Forderungen bzw. Empfehlungen kontinuierlich überarbeitet, so dass am Ende eine Liste praxiserprobter Standards erstellt werden konnte, die allen interessierten Einrichtungen als Anregung zur (Weiter-)Entwicklung einer eigenen Präventionsstrategie zur Verfügung gestellt werden soll.

Projektergebnisse

Eines der zentralen Ergebnisse des Projekts ist die Checkliste mit praxiserprobten Handlungsempfehlungen zur Prävention von (sexualisierter) Gewalt. Sie umfasst insgesamt 24 in der Praxis auf Sinnhaftigkeit und Umsetzbarkeit hin überprüfte Qualitätsstandards, die in acht Themenbereiche untergliedert wurden: 

  1. Personalauswahl
  2. Obligatorische Vorlage eines erweiterten Führungszeugnisses analog § 72a SGB VIII (für haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter/-innen)
  3. Gezielte Thematisierung im Einstellungsverfahren
  4. Standards und Regeln der Einrichtung zum Umgang mit sexualisierter Gewalt sowie entsprechende Dienstanweisungen werden allen Arbeitsverträgen als Anhang beigefügt.
  5. Abgabe einer Selbstverpflichtungserklärung der Bewerber/-innen zur Einhaltung aller Regeln und Vorschriften der Einrichtung – konkret auch zum Themenbereich (sexualisierte) Gewalt
  1. Sensibilisierung
  2. Offene Darstellung der Regeln zur Prävention von Grenzüberschreitungen und sexualisierter Gewalt innerhalb der Einrichtung
  3. Offene Thematisierung und Enttabuisierung der Problematik sexualisierter Gewalt innerhalb der Einrichtung
  4. Vorhandensein eines sexualpädagogischen Konzepts für Kinder und Jugendliche
  5. Regelmäßige Aufklärung/Information von Kindern/Jugendlichen, Eltern und Mitarbeitern/-innen über die Möglichkeiten, sich gegen sexuelle Grenzüberschreitungen zur Wehr zu setzen 
  1. Qualifizierung
  2. Regelmäßige Fortbildungen zur Prävention von (sexualisierter) Gewalt für alle Mitarbeiter/innen aller Hierarchieebenen
  3. Regelmäßige Teamberatung und (Team-)Supervision für alle Mitarbeiter/-innen
  1. Transparenz/Offenheit/Beschwerde
  2. Eindeutige und transparente Leitungsstrukturen innerhalb der Einrichtung
  3. Verbindliches und transparent gestaltetes internes Beschwerdesystem 
  4. Klar benannte und bekannte Ansprechperson außerhalb der Einrichtung für Kinder/Jugendliche, Eltern und/oder Mitarbeiter/-innen
  1. Haltung/Kultur/Risikomanagement
  2. Wertschätzung, Anerkennung, Respekt und Unterstützung der Mitarbeiter/-innen durch die Leitungskräfte
  3. Offene Kommunikations- und Streitkultur innerhalb der Einrichtung
  4. Veranstaltungen/Schulungen für Kinder und Jugendliche zur Stärkung des individuellen Selbstbewusstseins
  5. Regelmäßige Risikoanalyse zum Aufdecken potenzieller Gefahren und möglicher Schwachstellen in der Einrichtung
  1. Kooperation/Beteiligung
  2. Zusammenarbeit mit externen Fachberatungsstellen bzw. Fachgremien
  3. Altersangemessene Formen der Beteiligung der Kinder und Jugendlichen an Kommunikations- und Entscheidungsprozessen
  4. Beteiligung von Kindern/Jugendlichen bei der Entwicklung des Präventionskonzepts
  1. Intervention
  2. Disziplinarische arbeitsrechtliche (ggfls. auch strafrechtliche) Konsequenzen gegen Mitarbeiter/innen, die gegen einschlägige Dienstanweisungen verstoßen
  3. Klar festgelegte und transparente Verfahrensweise bei Verdachtsfällen von (sexualisierter) Gewalt
  4. Wahrung der Fürsorgepflicht der Einrichtungsleitung auch gegenüber verdächtigten Mitarbeitern/-innen
  1. Therapie
  2. Unterstützung von (potenziellen) Opfern bei der Wahl geeigneter Beratungs-/ Betreuungsangebote

Publikation

Zum Abschluss des Projekts ist im Lambertus Verlag ein Buch mit dem Titel „Sexuelle Gewalt in der Erziehungshilfe – Prävention und Handlungsempfehlungen“ erschienen. Darin werden zentrale Ergebnisse des Projekts dargestellt – insbesondere die praxiserprobte Checkliste, die Einrichtungen und Diensten der Erziehungshilfe als Grundlage zur eigenen Risikoanalyse und Konzeptentwicklung dienen kann. Darüber hinaus wird der Themenbereich sexualisierte Gewalt durch Mitarbeiter/-innen in Erziehungshilfeeinrichtungen in Form von Fachbeiträgen namhafter Autoren/-innen tiefer gehend beleuchtet. Im Serviceteil am Ende sind neben einer umfangreichen Liste mit themenspezifischer Fachliteratur zahlreiche Adressen von Fachstellen sowie Fortbildungsangebote zu diesem Themengebiet aufgeführt, die Praktikern aus dem Bereich der Erziehungshilfe wichtige Hinweise und Tipps zur Orientierung in der eigenen Arbeit geben können.

Macsenaere, M./Klein, J./Gassmann, M./Hiller, S. (2015). Sexuelle Gewalt in der Erziehungshilfe – Prävention und Handlungsempfehlungen. Freiburg: Lambertus. ISBN 978-3-7841-2743-9.

Downloads

Projektleitung

Joachim Klein

Projektleitung Hilfen zur Erziehung & EVAS